Der Flintenschuetze

    Home > Tipps / Infos > Best Guns
     

Best Guns

mehr als nur ein Begriff

Schon mit dem Begriff tut man sich im Deutschen schwer. Es gibt schlicht keine direkte begriffliche Übersetzung. Gemeint ist mit Best Gun die perfektionierte Form der Querflinte - und auch der Bockdoppelfinte - mit Seitenschlossmechanismus, wie sie durch das Büchsenmacherhandwerk in England im Ausklang der viktorianischen Epoche und anklingenden Edwardian Period geschaffen wurde. Eine sehr gute Waffe in bestmöglicher Qualität also - oder geben wir einem Kenner das Wort:


Let us have a look at what the manufacture of a good gun means,
and at the same time bear in mind that it is in every detail
constructed with as much care and accuracy as
the fittings of a valuable watch

- Sir Ralph Payne-Gallwey -


Die Entwicklung der Schrotflinten in ihrer höchsten Form wurde in England durch zwei Umstände begünstigt: Den gesellschaftlichen Faktor: Der Thronfolger Prinz Edward war von den Regierungsgeschäften seiner Mutter ausgeschlossen. Daher suchte er nach einer neuen Beschäftigungen. Hierbei verlegte er sich besonders auf die Jagd. Nach dem Tode ihres Mannes, Prinz Albert, hatte sich Königin Viktoria vom gesellschaftlichen Leben zurückgezogen und höfisches Leben fand so gut wie nicht mehr statt. So scharte sich die bessere Gesellschaft und der Adel um Prinz Edward und dessen (Jagd-)Vergnügungen, emsig darauf bedacht es ihm gleichzutun. Der Landschaftsfaktor: Die englische Landschaft war aus vielerlei Gründen besonders prädestiniert für die Vorstehtreiben der Federwildjagd.

Unter diesen Bedingungen waren die wohlhabensten Teile der englischen Bevölkerung bereit, erhebliche Summen von Geld für eine exquisite Jagdwaffenausrüstung auszugeben. Geld, welches dem Büchsenmacherhandwerk und dessen Entwicklungen zugute kamen.

1875 war das Universal Boxlock Hammerless Gun von Anson Deeley patentiert worden. Bald wurden die Waffen durch Ejektor, automatische Sicherung, Einabzug, Selbstöffner mit Schließspannmechanismus und die Vervollkommnung des Seitenschlossmechanismus perfektioniert. Um die besten Lösungen im Detail lieferten sich die mittlerweile weltberühmten Namen des britischen Büchsenmacherhandwerks (z. B. Greener, Boss, Purdey, Holland& Holland) einen verbissenen Wettkampf, der in einigen Fällen im Wettstreit um die Anerkennung der Patente sogar vor Gericht endete (z. B. Single Trigger Dispute von 1906 zwischen Purdey und Boss). Die wesentliche Entwicklung auf diesem Sektor war in den 1890er Jahren vollendet. Und war – ganz nebenbei bemerkt – ohne die Hilfe der Elektrizität erreicht worden. ( Im Falle der Bockdoppelfinte dauerte es etwas länger, hier wurde die höchste funktionale Eleganz im Jahr 1909 durch Boss erreicht.)

Was macht nun ein Best Gun aus? Was macht eine soche Waffe "Best"? Bevor auf einzelne Elemente dieses Waffentypus einzugehen ist und der Blick möglicherweise für das Ganze in die Irre geführt wird, soll der Versuch einer Gesamtbetrachtung gemacht werden: Ein Best Gun ist ein Handwerksprodukt auf höchstem Niveau welches das Flair von britischer Eleganz in entscheidender Weise mitgeprägt hat. Die Funktionalität dieses in reiner Handarbeit hergestellten Gebrauchsgegenstands Flinte hatte hohen Einfluss auf das Design und es maßgeblich beeinflusst. Die schließlich gefundene Symbiose aus Design und Funktion ist Werkzeug und Kunstgegenstand in einem. Zu diesem Spitzenprodukt gehören auch diverse Zubehörteile: Ein Maßkoffer, ein Reinigungsset, Abschlagpatronen, ein Handschutz für die Vorderhand des Schützen, Ölfläschchen. Alles dies natürlich in einer Ausführung, die dem Niveau der Waffe entspricht.

Von 1870 bis heute wurden ca. 70000 Stück dieser Waffen gefertigt. Dies bezieht sich rein auf die englische Produktion.

Die Herstellung einer London Best Gun benötigte inklusive einer klassischen 100 Stunden Gravur, in traditioneller Weise gefertigt, ca. 1200 Stunden. Mit der Einarbeitung der Schränkungsmaße wurde bereits im Systembereich begonnen. Die  klassischen Gravuren haben bei diesen Waffen übrigens eine praktische Funktion: Sie dienen der Überdeckung von Linien und Kanten und binden Öl auf der Oberfläche, wass die Waffe schützen soll.

Äußerliche Erkennungszeichen für ein BEST GUN sind z. B. die anliegende Schäftung bis zu den Muscheln. Das Fehlen von Durchbrüchen für die Laufhaken im System.


Weiter: Die Flächen von Läufen und Systemauflage sind mit 0.002 bis 0.0005 Inch Toleranzen gefertigt. Die Laufhaken sind aus dem vollen Material der Läufe herausgearbeitet (Demiblock) und nicht nachträglich mit ihnen verbunden worden (Monoblock). Die Holz- zu – System- Verbindungen sind saugend und ohne Überstände. Solche Waffen haben auch einen höheren Gebrauchswert, als es bei einfacheren Produktvarianten der Fall ist. Die Standzeit solcher Waffen beträgt weit über 100 Jahre bei intensivem Gebrauch  selbst bei schlechter Witterung.

Heute fertigen in England wieder mehr Hersteller sog. Best Guns und einige der großen alten Namen sind wieder auferstanden. Purdey, H&H, Boss, Woodward, z.B. Aber auch in Italien werden Best Guns gefertigt - und dies mittlerweile auf einem so hohen Niveau wie noch niemals zuvor. Sallvinelli & Abiatico. Bertuzzi, Piotti, Ivo Fabbri und Luciano Bosis beglücken mit ihren Produkten die Kenner, die es sich erlauben können, eine außergewöhnliche Quälität zu besitzen.

Diese Qualität hatte immer ihren Preis: ein "Best Gun" als weißfertige Querflinte mit Seitenschlossen kostet weissfertig ab 45000 Euro aufwärts. Die Bockflinten kosten oft mehr als das Doppelte.Warum sind diese Waffen so teuer? Antwort: Es ist die Handarbeit.  

In Deutschland ist das Interesse an sog. Best Guns  zurückhaltend. Man sucht nach außen hin immer das "Tool" und keine "Kunst" als Waffe.  Alles andere ist "Sünde" - "das braucht braucht man doch nicht".  Allerdings  wird dabei übersehen, dass diese Waffen zwar  "kunstvoll" gearbeitet sind, dies aber nicht der Verzierung dient, sondern das diese "kunstvolle" Verarbeitung gerade die Zähigkeit verleiht, die viele Jahrzehnte des permanenten Gebrauchs unter widrigen Bedingungen (z.B. Regen) ermöglichen.    Wenn man in die Waffenschränke der Enthaltsamkeitsprediger und "Funktionskäufer" schaut - findet man meist immer das übliche Sammelsurium der Irrtümer und Mittelmäßigkeiten,  die im Laufe der Zeit durch Werbung angeregt, angeschafft wurden. Dabei demonstriert gerade die Menge der persönlichen Waffen kaum Konsumverzicht, sondern eher ein wahlloses Zusammenkaufen - und leider auch eine gewisse Inkompetenz. Der Durchschnittskunde kann kaum Aufwändiges von Blendwerk unterscheiden und beschäftigt sich  mit der überflüssigen Frage, ob Flintchen A vom Hersteller B für 2500 Euro - wohl besser zu schießen wäre,  als  Flintchen B vom Hersteller A für einen ähnlichen Preis. Wie langweilig!   

Zu Ehrenrettung der Deutschen  auf dem Gebiet  "Best Guns" -  auf Herstellerseite - trägt die Hamburger Firma Hartmann & Weiss bei. Sie gehört weltweit zu den ganz oben angesiedelten Herstellern von Best Guns und auch Ziegenhahn aus Suhl muss dazugezählt werden.

Vielfach wird vergessen - oder verdrängt, daß viele der modernen Konstruktionen -  mit super Sonderspezialausführung und Holzklasse 4711 in Besorgnis erregende Preisregionen gepuscht - in ihrer Gesamtheit leider kaum den Gegenwert ihres Kaufpreises präsentieren. Teuer werden dem Kunden Extras verkauft, die im Bezug auf die Basiswaffe unbotmäßig sind.  Das ist besonders  dann der Fall, wenn kostspielige Gravuren und Hölzer mit "modernen Oberflächen" verbunden werden. Manchmal sehen dann die Läufe aus wie teflonbeschichtet und erinnern eher an Bratfpfannen als an hochwertige Flinten. Die Wertlosigkeit solcher Konstrukte merkt der Besitzer  spätestens immer dann, wenn er solch eine Waffe einmal verkaufen will. Der Wert fällt dann ins Bodenlose.

Mit einem Best Gun ist das anders. Wer den Hersteller sorgfältig aussucht und die Ausführung klassisch wählt, kann durchaus auch Wertzuwächse erwarten. Wenige - dafür hochwertige Waffen anzuschaffen - ist daher aus ökonomischer Sicht durchaus eine überlegenswerte Alternative. Nicht jeder kann sich natürlich eine Best Gun leisten. Aber unabhängig von unserer Kaufkraft sollten wir generell kritischer sein, Hochwertiges besser von Minderwertigem trennen, und uns eher für Langlebiges entscheiden, als uns immer von Werbung "überreden" zu lassen.

Unser entschiedender Feind bei einer wertorientierten Kaufentscheidung ist das Schnäppchen. Wirkliche Best Guns schießen übrigens auch besser als es Standardprodukte vermögen: Sie verfügen über bessere Läufe, bessere Chokes,schwingen besser und haben einen geringeren Rückstoß. Man bezahlt also im Gegensatz zur gepimmten Super Exklusiv Version einer Standardflinte auch für einen praktischen Nutzen.


 
   
PartnerLogo PartnerLogo PartnerLogo PartnerLogo PartnerLogo
Brillen Mueller Manching Hotel Elisabeth PartnerLogo PartnerLogo PartnerLogo
 
Aktuelles | Zur Person | Tipps / Infos | Kursinfos | Flintenkurse | Büchsentraining | Partner | Hersteller | Downloads | Buchung | Links | Kontakt