Der Flintenschuetze

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Die Jägerprüfung

Flintenschießen in der Jägerprüfung (Leid der Prüflinge und der Schein des Scheins) Der nachstehende Text wird teilweise auf meinen Schulungen und Vorträgen heftig - und auch kontrovers diskutiert.  Dabei wird mir  immer wieder deutlich, wie notwendig die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Flintenschießausbildung ist und diese ins Bewußtsein der Beteiligten gebracht werden müssen.

Mittlerweile - Stand 2012 - wird nicht mehr in allen Bundesländern gefordert, dass mit der Flinte in der Jägerprüfung zu schießen ist. Es gibt die Bundesländer, in denen noch Trap, Skeet oder Rollhase (also Wurfscheiben) mit einer bestimmten Trefferanzahl in der Prüfung verlangt werden. Dann gibt es Bundesländer, in denen der Kipphase geschossen wird. Dann kommen die Bundesländer, die das Flintenschießen während der Jägerausbildung mit einer begrenzten Anzahl von Zielen absolvieren lassen. Selbst in den einzelnen Bundesländern kann es zu unterschiedlichen Regelungen kommen: In NRW z. B.  regelt  jeder Regierungsbezirk  seine Prüfungsbedingungen für das Flintenschießen in der Jägerprüfung. In Niedersachsen werden mittlerweile 5 von 15 Wurfscheiben (Trap oder Skeet) in der Jägerprüfung gefordert - man will dort damit die  privaten Jagdschulen mit  ihren 3 Wochen Schulungen  kurz halten. Die jeweiligen Besonderheiten regeln die einzelnen Jägerprüfungsordungen der Länder.

Dadurch wird auch das einheitliche Ausbildungsziel der DJV Schießvorschrift  ausgehebelt. Danach sollen Jungjäger mit Erwerb des Jagscheins am DJV Schießen, welches immerhin Trap und Skeet beinhaltet, teilnehmen können.  

Eine einheitliches Lernkonzept einer am jagdlichen Zweck orientierten Flintenschießausbildung hat in Deutschland zwar schon immer gefehlt - nun wird aber zusätzlich auch der Prüfungsmodus selbst für Jagdscheinanwärter im Flintenschießen immer unterschiedlicher. Dabei wäre dieses einheitliche Konzept , wie Jäger auf das jagdliche Flintenschießen vorzubereiten wären - durchaus möglich. Mit einem einheitlichen Ausblidungssystem und in der Folge dann einheitlichen Prüfungsanforderungen wäre ein sachgerechtes und einheitliches Ausbildungsniveau zu erzielen. Leider ist der bundesdeutsche Förderalismus auch in dieser Sache nicht hilfreich - und zusätzlich scheinen auch die verantwortlichen Entscheidungsträger es  wohl gar nicht für möglich zu halten, dass das Flintenschießen methodisch und einheitlich zu lernen und zu lehren wäre. Bezeichnend ist, dass theoretische Kenntnisse der Bewegungslehre des Flintenschießens nie vermittelt oder gar Einlass in den theoretischen Teil der Jägerprüfung gefunden hätten. Nur ein Beispiel mag verdeutlichen, wie untragbar dies eigentlich ist: für einen guten Treffer beim Flintenschießen ist u. a. eine korrekte Ausführung der Anschlagsbewegung erforderlich. Wie diese soll diese Ausbildern und Schülern vermittelbar sein, wenn deren Ablauf nicht objektiv nachprüfbar verbalisiert und dann auch abgefragt wird? 

Der Pool des Ausbilderwissens ist leider  leer. Tatsächlich müssten die vor Ort tätigen Ausbilder geschult werden. Theoretisch wie praktisch. Stattdessen regieren Hörensagen und flotte Sprüche ohne Inhalt.  Entscheidungsträger und Ausbilder fehlt die Sachkompetenz, politisches Kalkül bestimmt die  Marschrichtung. Neue Zielformulierungen resultierend aus sachlichen Erwägungen wären dringend geboten. Aber leider fehlt wohl gerade dazu der Wille.

So bleibt das Flintenschießen für Anfänger und Ausbilder ein Mysterium. Die Schüler warten vergeblich auf eine nachvollziehbare Anleitung.

Dort, wo das Flintenschießen auf Wurfscheiben in der Jägerprüfung noch eine Rolle spielt, tun sich die Schüler deshalb immer noch unnötig schwer. Hinzu kommen vielerorts auch noch waffenrechtliche Schierigkeiten: so gibt es Bundesländer, wo Flintenschießen in der Jägerprüfung Prüfungsfach ist, Jagdkursteilnehmer aber kein Bedürfnis für den Erwerb einer eigenen Flinte zuerkannt wird, weil der jeweilige Landesjagdverband unfähig ist solche Details mit den zuständigen Stellen abzusprechen.   

Man beschreitet daher lieber zunehmend eine Vermeidungsstrategie, die schon vor einigen Jahren in einigen Bundesländern zu einer Aufweichung der Anforderungen geführt hatte.  Im Bundesland Bayern  hat diese Tendenz schließlich zu einer ganz merkwürdigen Entwicklung geführt: Dort wird das Flintenschießen in der Jägerprüfung überhaupt nicht mehr verlangt. Es ist damit das Bundesland mit der geringsten Qualifikationsanforderung im Schrotschießen in einer Jägerprüfung überhaupt. Lediglich 250 Wurfscheiben müssen dort noch während der Ausbildung beschossen werden. In einer Zehnerserie müssen dabei einmal(!) 3 von 10 Scheiben getroffen werden. Dazu wird ein "Schießleistungsnachweis" verlangt, der vom örtlichen Ausbilder und einer Standaufsicht unterschrieben wird. Letzlich ist dies eine bloße  "pro forma Regel", die nach außen Kometenz signalisieren soll, die aber tatsächlich nichts bewirkt. Die jetzige Regelung hat  nur einen Grund:   

Zu schwer fiel den Verantwortlichen dort - wie aber auch in anderen Bundesländern - die Ausbildung der Jagdscheinanwärter im Flintenschießen auf Wurfscheiben. Die damals eigentlich lächerlich banalen Prüfungsbeidingungen im Wurfscheibenschießen zu erfüllen  geriet so für viele Prüflinge zum Gücksspiei.  Durch das konzeptlose "Üben" war das Vorbereitungstraining unnötig langwierig und kostspielig, der Ausgang ungewiss, das Ergebnis nicht nachvollziehbar. Die bayerische Prüfung galt nicht zuletzt deswegen unter den Anwärtern als schwierig und so wanderten viele Aspiranten in andere Bundesländer mit leichteren Prüfungsbedingungen im Fintenschießen ab. Etwa dorthin, wo mit der Flinte in der Prüfung nur auf den Kipphasen geschossen wurde. Das wollte man in Bayern so nicht länger hinnehmen. Insbesondere deshalb nicht, weil der Schüleranteil aus Bayern  in den privaten Jagdschulen des Saarlandes  und Mecklenburg Vorpommerns  besonders groß war. Denn die Jägerausbildung bringt erhebliches Geld in die Kassen der örtlichen Jagdvereine, welches natürlich fehlt, wenn die Jungjäger zur Ausbildung in Bundesländer ausweichen , die geringere Anforderungen stellen. Diese Einnahmen sind aber für die örtlichen Jagdvereine nicht unwichtig. 

So hält man lieber aus der Prüfung fern, was man im Rahmen der bisherigen Ausbildungsstrukturen mangels Qualifikation nicht beibringen konnte - und was aber beim Geldverdienen störte: das Flintenschießen in der Jägerprüfung. So müssen Bayerns Jägerprüflinge nicht einmal mehr beweisen, dass sie einen Kipphasen - wenn es darauf ankommt - unter Prüfungsbedingungen beschießen können. Früher schimpfte man in Bayern auf die privaten Jagdschulen und bezeichnete sie als niveaulos. Heute gibt man sich in eigener Angelegenheit in Sachen Niveau jedoch selbst noch wesentlich ungenierter.

Die gesamte Entwicklung ist der Spiegel eines gescheiterten Systems, welches in der Prüfung Können verlangt - aber das Wie nicht vermittelt. 

 



Mein persönlicher Kritikpunkt insbesondere am bayerischen Procedere: Mit 250 Wurfscheiben hat man zwar u. U. ein Initialerlebnis im Flintenschießen, aber man lernt keinesfalls sich routinemäßig in einer Gruppe von Jagdwaffen führenden Personen mit Routine zu bewegen. Man unterschätzt die Bedeutung  des Gewöhnungsfaktors. Die Kursteilnehmer gehen zu wenig auf den Schießstand und haben folglich keinen routinierten Umgang mit ihrer Waffe und ein völlig ungeschultes Reflexverhalten. Dies wirkt sich leider auch bei Treibjagden beim flüchtigen Büchsenschuss aus. Das ist wie ein Führerschein mit zu wenig Fahrunterricht.   Ein Manko, was auch eine Handhabungsprüfung und die marginalen Übungen auf den laufenden Keiler und im Schießkino während der Ausbildung nicht beseitigen können. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass es bei der jetzt paktizierten Lösung nicht bleiben kann. Sie ist im Grunde unverantwortlich, weil sie den Jungjäger als Neuling dazu anhält, die Ausbildung seiner Schießfertigkeiten auf ein Minimum zu beschränken. Die bestehende Regelung ist das Ergebnis örtlicher Interessen, die sich überwiegend an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientierten, aber nicht an einer sachlich gebotenen Lösungen.

In der neueren Entwicklung beginnt sich bereits abzuzeichen, dass vornehmlich die Bundesländer , die vor Jahren damit begonnen hatten, die Prüfungsordnung in Sachen Schießprüfung zu erleichtern, jetzt Schießnachweise für die Jagdscheininhaber fordern. Ein unglaubliches Durcheinander!

Ich bin sehr dafür, dass es für einen Jagdschein, der nach Bundesrecht erteilt wird, auch nur eine bundeseinheitliche Ausbildungsanforderung geben kann.

Die Entscheidungsträger sollten sich darüber klar werden, dass eine Festlegung von Prüfungsanforderungen allein nicht genug ist. Gerade im Schießwesen sollte das "Wie" und "Wofür" ebenfalls eine Rolle spielen. Die Ausbildungsmethoden  im jagdlichen Schießwesen  im Allgemeinen und im Flintenschießen im Besonderen müssten grundliegend reformiert werden. Zu sehr sind sie immer noch an fast militärisch starren Grundsätzen orientiert: - Machen und nicht fragen wieso -.  Die Ausbildung  müsste individueller werden und sich mehr mit der einzelnen Person und der Ausbildung von deren Fähigkeiten für den jagdlichen Zweck beschäftigen. Dabei müssen allgemeinverbindliche Bewegungstechniken und auch mentale Grundlagen vermittelt  und diese als Basis einer jagdlichen Schießfertigkeit begriffen werden.

Das Schießen muss für den Schüler zu einer positiven, erfolgreichen und erfreulichen Erfahrung werden, die im Selbstvertrauen und Bestätigung bringt.  In der Ausbildung der deutschen Jägerschaft wird diese positive Erfahrung leider selten erzeugt. Diese für die Motivation positive Erfahrung bleibt aus, weil der Erfolg ausbleibt. Der Erfolg bleibt aus, weil der Unterricht keine Anleitung zum Erfolg enthält. Im Ergebnis wird dadurch ein großes Unglück herbei geführt:

Den Jagdscheinanwärtern und späteren Jägern wird die Lust am Flintenschießen regelrecht abtrainiert. Sie bezeichnen sich dann in der Regel als Kugelschützen, die das Flintenschießen nicht bräuchten und versagen sich damit einen der schönsten Jagdbereiche und sind damit auch weitgehend für alle Bewegungsjagden untauglich.

Jeder sollte sich vor Augen halten: Für alle Lernziele, die erfolgreich erreicht werden sollen, benötigt man ein vernünftiges Konzept und eine vermittelbare Methode.

 
   
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