Der Flintenschuetze

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Max Ern   Die sympathische Büchsenmacherfamile aus dem Rheinland 

  im Hause Ern baut man handwerklich perfekte Jagdwaffen. Ihre durchdachte Bauweise und fühlbare Optimierung der Ergonomie verhilft ihren Besitzern im jagdlichen Einsatz zu deutlichen Vorteilen. Obendrein wohltuend stilsicher und kompromisslos in der Qualität sind die Produkte von Max Ern deutlich über dem Mainstream angesiedelt. Sie messen sich  mit dem Niveau der besten und traditionsreichsten Custom Gunmaker weltweit. Eine der herausragenden Leistungen des Betriebs ist sicher auch die Fertigung der Kugelläufe, die zeitintensiv auf einer Laufziehmaschine erfolgt. Eine Fertigungsweise, die die besten und langlebigsten  Präzisionsläufe ermöglicht. Augenfällig ist auch die hauseigene Bunthärtung - deren Farben dezent Englisch wirken. Die Gravuren führt Frau Evelyn Ern nach Kundenwunsch aus.    Wer sich mit Max Ern (sen.) oder Max Ern (jun.)  über Jagdwaffen unterhält, merkt sehr schnell, dass hier zwei besondere Jagdwaffenbauer am Werk sind.  Es geht ihnen immer um das Optimum. Die perfekte Doppelbüchse, das perfekte Repetiergewehr, die perfekte  Bockdoppelbüchse oder eben  die perfekte Flinte.  Herausragend auch: Max Ern kann  Bezüge herstellen - was war schon da - was machen wir - was war gut und was können wir noch verbessern. Die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen sind so interessant wie hilfreich und regen zum Nachdenken an.  Sein untenstehender Artikel - Die rheinische Flinte - ist ein schönes Beispiel dafür. 

Die Flinte im Rheinland (Autor Max Ern)

Für den einen kommt eine Flinte in ihrer Wertigkeit gleich nach der Mistgabel, für den anderen ist sie, wenn sie perfekt gemacht ist, ein Kultobjekt.

Ein handwerkliches “Kulturobjekt“, so präzise gearbeitet wie ein Glashütte – Chronometer. Mit einer unübertroffen eleganten Linie, über deren eigentliche Bedeutung sich nur wenige im klaren sind. Vor allen Dingen ist so eine Flinte ausbalanciert. So ausbalanciert, dass man das geringe Gewicht der Flinte an sich schon gar nicht mehr spürt und - sobald man sie in die Hand nimmt - verblüfft mit dem Kopf schüttelt ob deren Wendigkeit und Schwingungsverhalten.

Zugegeben, an jeder Ecke findet man solche Gewehre nicht, verhältnismäßig häufig aber bei uns im Rheinland. Gewissermaßen aus der Landschaft heraus entwickelt. Hierzu muss man wissen, dass die Hinterladerflinte in ihrem Ursprung aus dem nahen Frankreich stammt. Von dort aus hatte sie sich als Hahnflinte mit Lefaucheux Verschluss in ganz Europa durchgesetzt. Verhältnismäßig spät erst kam sie nach Großbritannien.

Von dort aus kehrte sie Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts als Kastenschloßflinte mit Greenerverschluß zurück auf den Kontinent.

Eine richtungsweisende Schlosskonstruktion, die nicht nur den Abstand zwischen Stossboden und Abzügen verkürzte, sondern die schwereren Seitenschlosse ersetzte.

Wenn man bedenkt, dass ein Seitenschlosspaar zwischen 200-250 g wiegt und auf der anderen Seite des Schwerpunktes das entsprechende Gegengewicht haben muss, ist das schon eine beachtliche Gewichtsersparnis.

Im Gegensatz zu den Jagden auf den britischen Inseln, wo die Fasanen turmhoch über die Bäume getrieben wurden, waren die Verhältnisse im niederwildreichen Rheinland ganz anders. Hier jagte man meist in der Streife oder auch im Kessel. Hierzu waren die Flinten mit Seitenschloß, die sich aus den Hahnschlossen entwickelt hatten, nicht unbedingt geeignet. Als reine Spezialgewehre, getrimmt auf erstklassiges Schwingungsverhalten, hohe aufeinanderfolgende Schußzahlen, bequemes Laden und leichte Wartung waren diese zu lang und schwer um sie den ganzen Tag zu tragen, damit durch die Rüben zu laufen und - gegebenenfalls - über Zäune zu klettern.

Traditionell schoss man bei uns im Rheinland die leichten belgischen Querflinten. Diese Flinten waren gleichermaßen für Treibjagden als auch für die Suche mit dem Hund geeignet. Allenfalls hielt man die Chokebohrungen für Flinten, die vorwiegend auf der Suche genutzt wurden, bei halb und voll. Ansonsten reichte viertel und dreiviertel vollständig aus.

Die belgischen Büchsenmacher, die in den Niederungen um Lüttich die gleichen jagdlichen Gegebenheiten vorfanden wie die Rheinländer, hatten sofort den Nutzen des Anson & Deeley -Schlosses erkannt. In Verbindung mit einem Kaliber 20 oder 16 konnte man Balance, Schwingungsverhalten und Gewichtsverteilung ideal gestalten und trotzdem das Gewicht der Flinte entsprechend niedriger halten.
Im Gegensatz zu den Briten, bei denen die Kastenschlossflinte immer eine untergeordnete Rolle spielte, wurde sie nun perfektioniert. Die Mechanik blieb im Großen und Ganzen dieselbe. Jedoch wurde das sie umgebende Gehäuse, der auf den Inseln im wahrsten Sinne des Wortes der „Kasten“ gewesen war, umgestaltet und formschön ausgefeilt.

Die Spannmechanik im Vorderteil änderte man dahingehend, dass man aus dem Scharnierbereich schöner in den Vorderschaft übergehen konnte. In Verbindung mit den eleganten Lütticher Läufen gab das dem Gewehr ein ungeheuer gefälliges Aussehen.


Aufgeschnittenes Baskül einer Lütticher Anson- Flinte. Links im Eisenvorderteil sieht man die Spannerei. Weiter links im Baskül dann die Spannstange. Oben liegt die V -Feder (seit 100 Jahren im Original) rechts kommt dann das Schlagstück. Ganz rechts über den Abzügen ist die untenliegende Abzugstange zu sehen.

Diese Schnittmodell verdeutlicht, wie ein Minimum an Schloßteilen so platzsparend wie möglich untergebracht werden kann.


Blick durch die aufgeschnitten Muschel auf die Anlage des Schlagstückes an der Rückseite des Stoßbodens. Links sieht man einen Teil des Schlagstückes mit der Schlagnase. Hier wird deutlich, welcher Aufwand selbst bei preiswerteren Gewehren betrieben wurde. Die Rückwand des Stossbodens ist S-förmig ausgearbeitet. Damit wird die immer schon bruchgefährdete Schlagnase am Schlagstück so kurz wie möglich gehalten aber trotzdem bleibt das System im unteren durch Biegekräfte beanspruchten Bereich so stabil wie möglich. Selbst in der heutigen Zeit wäre es mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden diese - für das Auge des Betrachters unsichtbaren Raffinessen - einzubauen.

So war nun die Flinte entstanden, die nahezu drei Generationen mit der Jagd im Rheinland verbunden war.

Kaliber meist 16 oder 20 - das Kaliber 12 war zwar auch gängig - neigte aber schon zur Vorderlastigkeit. Untenliegende Abzugstangen in zierlichem keilförmigem Baskül, Pistolengriffschaft.

Der englische Schaft war überwiegend für den Überkopfschuss konzipiert. In dieser Stellung muss die Hand für den zweiten Schuss am Schafthals nach hinten gleiten können. Hierzu eignete sich natürlich am besten der Schaft ohne Pistolengriff. Solche Schüsse kamen aber bei uns relativ selten vor. Der Schuss nach vorne oder zu Seite ist bequemer, wenn man über einen Pistolengriffschaft verfügen kann.

Auch in Suhl war das Kastenschloss sofort akzeptiert worden. Die deutschen Büchsenmacher waren jedoch im Vergleich mit ihrer ausländischen Konkurrenz benachteiligt. Bei den verlangten leichten Flinten gab es nicht nur in Bezug auf die Laufwandstärken wenig konstruktive Reserven. Die führenden Hersteller in Belgien und Großbritannien konnten ihren Kunden jedoch staatlich geprüfte Erzeugnisse präsentieren und sichere Verwendung auch der leichtesten Gewehre garantieren.

Im Gegensatz dazu gab es in Deutschland zu dieser Zeit noch kein verbindliches Beschussgesetz.

Erst Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts mehrten sich die Forderungen an die Reichsregierung ein Beschussgesetz zu erlassen, damit die deutschen Büchsenmacher der ausländischen Konkurrenz endlich ebenbürtig würden. Anfang der neunziger Jahre kam dieses Gesetz dann zum Tragen. Allerdings fiel in diese Zeit auch die Umstellung auf die modernen Nitropulver.

Unglückseliger Weise hielt man die Laufwandstärken aufgrund der neuen Bestimmungen zu dick. Nun hatte man zwar staatlich geprüfte Jagdgewehre, die aber leider zu schwer ausfielen.

Die Damast- Läufe der Lütticher Flinten waren zu jener Zeit weltberühmt. Das führte dazu, dass einige Suhler Büchsenmacher enge Verbindungen nach Lüttich hielten, beziehungsweise dort produzieren ließen - oder sogar dorthin auswanderten. In den Rheinlanden gab die geographische Nähe zum belgischen Lüttich ihr übriges (Köln liegt gerade mal 110 km entfernt).

Die weltbekannte Firma Eduard Kettner hatte jahrzehntelang die Vertretung von Lebau-Courally. Ebenso war die Firma Heinrich Münch in Aachen weltweit bekannt für ihre belgischen Flinten und Doppelbüchsen.

Es waren gute Jahre für die Jagd und für die Büchsenmacher. Strecken von mehreren 100 Stücken Wild waren auf den Treibjagden keine Seltenheit. Die Ernte eines ganzen Jahres der Niederwildhege stieß auf eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Flinte, Hund und der Jagdanzug stellten ein Teil des kulturellen Lebens dar. Im Jahre 1906 schoss der Kronprinz des Deutschen Reiches auf einem Stand anlässlich eines kurzen Besuchs auf der gegenüberliegenden Rheinseite Kölns 70 Fasanenhähne und lobte anschließend das hohe Niveau der Jagdkultur in seiner preußischen Rheinprovinz.

Nachdem das Kastenschloss sich in Suhl durchgesetzt hatte wurde es auch sofort verbessert. Die unterliegenden Abzugstangen ersetzte man durch die hängenden Stangen. Konstruktiv brachte das zwar Vorteile, beeinträchtigte aber Gewicht und Eleganz des Gewehres.Weshalb die Suhler Variante von den Belgiern nie angenommen wurde.


Ein weiterer Versuch der Verbesserung war der Einbau von Fangstangen um dem Seitenschloßsystem ebenbürtig zu werden. Bei der unten abgebildeten Flinte handelt es sich um eine britische Taubenflinte der Firma Golden des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Sehr schön kann man hier die oben aufgehängten Fangstangen und die Rast sehen. Die Abzugsstangen sind wie üblich untenliegend.


Bei der Ansicht auf die Unterseite sieht man die einteilige blau angelassene Spannstange. Eine relativ seltene Art der Spannung. Ganz rechts die zwei Stangenpaare Damals wurden auch kleine Änderungen sofort patentiert. Erstens um dem Kunden mit eigenen Patenten zu imponieren oder um bereits vorhandene noch gültige Patente zu umgehen.

Eine weitere Taubenflinte mit Fangstangen, diesmal von der Firma Francotte. Patent Francotte 1892, verkauft von der Firma Franz Kettner in Köln. Wieder oben liegende Fangstangen, aber diesmal anders gefedert. Die schnellen rückliegenden Blattfedern greifen unmittelbar am Drehpunkt der Abzugsstangen an und sorgen so für ein sofortiges zuverlässiges Einrasten. Durch den geringen Federhub wird der Federstahl kaum belastet und hat nahezu unbegrenzte Lebensdauer. Diese Flinte ist über 100 Jahre alt und arbeitet immer noch mit den Originalfedern.




In der Ansicht von unten kann man sehen, dass diese Flinte zwei Spannstangen hat - wie die meisten Anson- Systeme. Anson Flinten mit Fangstangen sind sehr selten und haben sich nie so recht durchgesetzt. Teuer in der Herstellung und trotzdem weder Fisch noch Fleisch.

Wenn man nur bei den untenliegenden Stangen bleibt, kann man den Schaft im Systembereich erheblich massiver halten.

Hohe Schusszahlen vorausgesetzt, ist das von großer Wichtigkeit. Man beachte nur wie oft sich schon Systeme in den Schaft hinein geschossen haben, bei denen die Kontaktfläche Holz gegen Stahl zu gering gehalten wurde. Die Verwendung des von hinten mit einer Schaftschraube verschraubten Schaftes ist allein schon aus Gründen der Gewichtsverteilung undenkbar, ganz davon abgesehen. dass diese Art der Schaftbefestigung Feuchtigkeit deutlich besser an die Schlossteile heranlässt.

Aus Gewichtsgründen verzichtet man sogar auf eine Schaftkappe und bohrt den Schaft aus. So wird alles vermieden, das weit entfernt vom Schwerpunkt zusätzliches Gewicht bringen könnte. Dieses müßte auf der gegenüberliegenden Seite ja ausgeglichen werden.

Die Verteilung des Gewichtes einer Flinte kann bei exakt gleichem Schwerpunkt durchaus sehr verschieden sein. Erst die Unterschiede in der Gewichtsverteilung machen aus einer Flinte entweder eine gut durchschwingende Flugwildflinte oder eine blitzschnell anzuschlagende Karnickelflinte die einmal an der Schulter angekommen, nur noch zum Stochern gut ist.

Am besten lässt sich das verdeutlichen, wenn man an einen Hochseilartisten denkt, der mit seiner 4 m langen und 4 kg schweren Holzstange über ein Seil balanciert. Gibt man diesem Akrobaten statt dessen eine 70 cm lange Eisenstange die gleichfalls 4 kg schwer ist in die Hand, fällt er vom Seil.


Frühe Kastenschloss- Flinte mit feinsten Lütticher Damast- Läufen, klassischem Anson & Deeley Schloss und Anson & Deeley Ejektoren. Die Flinte im Kaliber 12 wiegt 2730 g und ist voll funktionsfähig.


Doppelflinte Kaliber 12 allerfeinster Herkunft, gefertigt in den Werkstätten der Firma Eduard Kettner Cöln- Suhl.

Deutlich kann man an dieser seltenen Flinte den fremden Einfluss bis in Gravur hinein sehen. Anson- System mit untenliegende Abzugstangen und Zierseitenplatten. Unüblicher Weise ist diese Flinte mit einem Purdey Drücker im Vorderschaft ausgestattet. Als Auswerfer wurde der in einem Kasten gelagerte Anson & Deeley Ejektor verwendet. Die ganze Flinte ist von feinster Machart und tut seit über 80 Jahren ihren Dienst. Mit 3065 Gramm ist sie jedoch deutlich schwerer als eine vergleichbare Flinte aus Lüttich.

Schon damals war die Firma Eduard Kettner weit über die Reichsgrenzen hinaus bekannt und zählte die prominentesten Persönlichkeiten zu ihren Kunden. Im Gegensatz zu heute war es nicht unbedingt die Preiswürdigkeit, die zur Kaufentscheidung der kritischen Jägerschaft beitrug, sondern man kaufte mit ruhigem Gewissen das beste Markenprodukt, welches man sich leisten wollte, wohl wissend, dass dies eine Entscheidung fürs Leben war. Aber anders als heute akzeptierte man nahezu keine Flinte ohne mitgeliefertes Trefferbild. Vor allen Dingen, wenn die Kundschaft spezielle patronenbezogene Leistungsangaben wünschte, war das Auszählen und Bewerten der Trefferbilder unter Lehrlingen gefürchtet. Rheinland war Niederwildland, die Nachfrage nach Gewehren groß und somit bestand das Personal aus erfahrenen Fachleuten.


Die abgebildete Francotte- Doppelflinte wurde Ende der 1970 Jahre gebaut und wiegt im Kaliber 12/70 2830 g.

Der Schlossmechanismus ist unverändert geblieben, jedoch ist der Greener Verschluss durch die Purdey- Nase ersetzt worden. Die Verwendung verbesserter Stahlsorten machten es möglich dem Gewehr ein so eleganteres Erscheinungsbild zu geben.

Diese letzte Entwicklungsstufe stellt die Krönung der leichten Jagdflinten dar. Nie wieder nachher sind bessere Flinten entwickelt worden. Hier handelt es sich nicht etwa um Luxusgewehre oder um die Konkurrenz zur Seitenschlossflinte. Es sind feine Werkzeuge, Arbeitstiere, die bis in den letzten Winkel und Kante hinein durchkonstruiert sind.

Auch heute noch müssen diese Flinten aufgrund ihrer feinen Bauweise und der sensiblen Balance Abstimmung überwiegend in Handarbeit angefertigt werden

Der Benutzer dieser Flinten kann sich absolut sicher sein, dass er das Beste in Händen hält was er für die abwechslungsreiche und immer wieder neue Niederwildjagd bekommen kann.


Max Ern
 
   
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